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Thema: Buprenorphin und Naloxon

  1. #1
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    Buprenorphin und Naloxon

    Bei der Arzneistoffkombination Buprenorphin/Naloxon, wie
    sie zur Opiat-Entwöhnung als Sublingualtablette eingesetzt wird, erkenne ich den Sinn nicht. Nach den Ki-Werten, die ich für die Stoffe finden konnte, besitzt
    Buprenorphin die höhere Affinität zu allen Opioid-Rezeptoren, sodass ich
    nicht verstehe, warum in der Zubereitung überhaupt Naloxon enthalten
    ist. Normalerweise gibt man den Antagonisten doch dazu, um eine
    unsachgemäße Anwendung (nasal oder i.v.) unwirksam zu machen. Ich würde
    allerdings erwarten, dass bei dieser Anwendungsart trotzdem das
    Buprenorphin wirksam werden würde.
    Stimmt der Denkansatz?

  2. #2
    Dozent Ravati Seminare Avatar von Prof. Dr. Martin Pfaffendorf
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    Sehr verehrte Frau Alig,
    Ihre Überlegungen sind natürlich völlig richtig, anhand der Ki-Werte sollte man keinen Effekt des Naloxon erwarten (gilt ja auch bei Vergiftungen mit Buprenorphin). Dennoch ist es so, dass ca. ein Viertel aller Substitutionsanwender das Präparat schniefen oder spritzen (wobei das deutsche Präparat wegen des fehlenden Talkum-Anteils hierfür sehr beliebt ist). Das Naloxon kann nur bei den letztgenannten Applikationsweisen in nennenswerter Menge aufgenommen werden. Obwohl es im Gleichgewichtszustand der Bindung gegenüber dem Buprenorphin an den Rezeptoren keine Chance hat, scheint es doch so zu sein, das es beim Anfluten eine schnelle Bindung verhindert. Der vom Süchtigen gewünschte Kick bleibt aus. Das soll das Abhängigkeitspotential deutlich vermindern.
    In der Hoffnung, Ihnen damit geholfen zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

    Martin Pfaffendorf

  3. #3
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    Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, damit haben Sie mir auf jeden Fall weitergeholfen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Wiebke Alig

  4. #4
    Premium-User Avatar von Felix Maertin
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    Wie wir im praktikumsbegleitenden Unterricht gelernt haben, einfach die Tablette zermörsern und unter eine UV-Lampe stellen. Schon hat es sich mit dem Naloxon erledigt... Würde mich nicht wundern, wenn das jeder Junkie weiß.
    Davon abgesehen gibt es ja auch Naloxonfreie Tabletten. (Warum ist das eigentlich druch den Gesetzgeber nicht verpflichtend?)
    Ich habe direkt mal Google dazu befragt... Konsumenten die Buprenorphin nasal einnehmen beschreiben als schlimmste Nebenwirkung das Übergeben. Wie kommt es eigentlich dazu, kann ich mir so jetzt garnicht erklären.

  5. #5
    Dozent Ravati Seminare Avatar von Prof. Dr. Martin Pfaffendorf
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    Sehr geehrter Herr Maertin,
    anders als bei Tilidin, gibt es die verpflichtende Beimengung von Naloxon bei Buprenorphin-Präparaten nicht. Trotzdem hat man es bei einer Ausbietung getan (Suboxone), ermutlich um bei Risiko-Substitutionspatienten den nasalen oder parenteralen Missbrauch zu verhindern. Der Umgang der Süchtigen mit solchen Kombinationspräparaten steht natürlich auf einem anderen Blatt.
    Die Übelkeit durch Buprenorphin wird durch die Stimulation von Dopamin-Rezeptoren im Brechzentrum ausgelöst.

    Mit freundlichen Grüßen

    Martin Pfaffendorf

  6. #6
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    seit ich in einer Substitutionsapotheke arbeitee und dort die Methadon-Lösung nach NRF herstelle frage ich mich warum bei der nicht auch standardmäßig Naloxon beigemengt wird, damit könnte man Missbrauch und Verkauf des Substitutionsmittes doch verhindern....warum schreitet da der Gesetzgeber nicht ein, oder hab ich da pharmakologisch/technische Feinheiten übersehen?

  7. #7
    Moderator und Kompetenz-Manager Avatar von Dr. Oliver Scholle
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    Hallo,

    entschuldigen Sie die späte Antwort!

    [...] Methadon-Lösung nach NRF herstelle frage ich mich warum bei der nicht auch standardmäßig Naloxon beigemengt wird, damit könnte man Missbrauch und Verkauf des Substitutionsmittes doch verhindern....warum schreitet da der Gesetzgeber nicht ein, oder hab ich da pharmakologisch/technische Feinheiten übersehen?
    Die Rezepturen des NRF Erfüllen das Kriterium, dass eine missbräuchliche parenterale Anwendung erschwert ist. Zumindest bei Take-Home-Verschreibungen sollten zu gleichen Volumenanteilen meist viskose Grundlösung oder Zuckersirup hinzugegeben werden.

    Dadurch lässt es sich nicht so leicht aufziehen und injizieren (Schmerzen, Gefahr der Verstopfung von Venen, reduzierte Anflutung).

    Beste Grüße

    Oliver Scholle
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  8. #8
    Moderatorin Avatar von Maike Noah
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    Hallo Oliver, ich glaube, nora1606 wollte v.a. darauf hinaus, warum es nicht bei allen Tilidin-Zubereitungen gemacht wird.
    Wäre kein Nachteil, da junkies somit kein Tilidin-Produkt missbrauchen könnten.
    Meine Vermutung: Kostenfaktor!?

    Beste Grüße.
    Maike Noah
    Maike Noah, Apothekerin

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  9. #9
    Moderator und Kompetenz-Manager Avatar von Dr. Oliver Scholle
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    Hallo zusammen,

    warum es nicht bei allen Tilidin-Zubereitungen gemacht wird. Wäre kein Nachteil, da junkies somit kein Tilidin-Produkt missbrauchen könnten.
    Mir ist auch kein einziges Tilidin-Präparat bekannt, welches ohne Kombination mit Naloxon als FAM auf dem deutschen Markt zugelassen ist!

    Meine Vermutung: Kostenfaktor!?
    Da es sich bei Methadon ja zum einen ganz anderen Wirkstoff handelt, kann ich auch nur mutmaßen, was die Gründe sind:
    - Tilidin flutet deutlich schneller an als Methadon?! (Zumindest hat Methadon eine viel längere Wirkdauer)
    - Die Stabilität von Methadon plus Naloxon zusammen ist nicht gegeben?!
    - Je mehr Komponenten eine NRF-Rezeptur enthält, desto anspruchsvoller und weniger praktikabel wird die Herstellung.

    Davon abgesehen vermute ich wirklich den hauptsächlichen Grund wie oben dargestellt darin, dass die Grundvoraussetzung für die Erschwerung der missbräuchlichen Anwendung gegeben ist.

    Hiermit will ich auch noch meine persönliche Meinung kurz kundtun: Ich habe zwei Jahre lang in einer Apotheker einer Großstadt, welche in der Nähe einer "Substitutionspraxis" liegt, gearbeitet und dabei mindestens 5-10 Substitutionspatienten täglich bedient. Ich betrachte die Bezeichnung "Junkie" (engl. Junk = Müll, Abfall) als wenig angemessen. Ein Großteil der Patienten ist sozial (re-) integriert und geht einem geregelten Tagesablauf nach.

    Vermutlich meinst Du, Maike, eher diejenigen, die an das Präparat herankommen ohne im Programm zu sein... Man mag meine Auffassung übertrieben finden, aber ich finde es diskriminierend und tue dies kund. Die gleiche Meinung habe ich übrigens zu dem "N-Wort" und ich kenne Personen, die das ganz anders sehen.

    Beste Grüße

    Oliver Scholle
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