Betäubungsmittel (BtM)

Seit 2015 ausnahmslos gültige BtM-Verordnung © BfArM

Der pharma4u-BtM Info-Service für Sie.

Hinweis: pharma4u übernimmt keine rechtliche Verantwortung für die Richtigkeit und Aktualität der Darstellung. Jede Apotheke ist gehalten, die aktuellen Rechtsnormen als Maßstab für das eigene Handeln heranzuziehen.

letztes Update 10/2017

Betäubungsmittel dürfen ausschließlich auf den dafür vorgesehenen amtlichen Formblättern (BtM-Rezepten und -Anforderungsscheinen) und nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. BtM-Rezepte und –Anforderungsscheine werden von der Bundesopiumstelle ausgegeben. Die Bundesopiumstelle hat ein neues BtM-Rezept-Formular ausgegeben, das seit 1.1.2015 ausschließlich gültig ist (alte BtM-Rezepte dürfen nicht mehr beliefert werden).

Angaben auf dem BtM-Rezept

Auf dem BtM-Rezept sind anzugeben:

  • Name, Vorname und Anschrift des Patienten (1) (bei tierärztlichen Verordnungen die Tierart sowie Name, Vorname und Anschrift des Tierhalters)
  • Für den Bedarf in einer Praxis die Angabe »Praxisbedarf« (die Angaben »Sprechstundenbedarf«, »ad usum proprium« oder »ad usum medici« sind nicht zulässig!) (7)
  • Der Name des verschreibenden Arztes, Zahnarztes oder Tierarztes, seine Berufsbezeichnung (der Dr.-Titel allein ist nicht ausreichend!) sowie dessen Anschrift und Telefonnummer (6)
  • Das Ausstellungsdatum (2)  (Verschreibungen, die bei Vorlage in der Apotheke vor mehr als sieben Tagen ausgestellt wurden, dürfen nicht beliefert werden (sowohl GKV- als auch Privatrezepte); Ausnahme: Einfuhr von Betäubungsmitteln)
  • Bei der Berechnung der Gültigkeitsfrist ist der Tag der Ausfertigung nicht zu berücksichtigen
  • Die Bezeichnung des Betäubungsmittels (3). Nur wenn das Betäubungsmittel durch eine Bezeichnung nicht eindeutig bestimmt ist, jeweils zusätzlich Bezeichnung und Gewichtsmenge des enthaltenen Betäubungsmittels, bei abgeteilten Zubereitungen je abgeteilter Form, und die Darreichungsform eindeutig definiert: 
    • MST 10 retard Nr. XX
    • Dolantintropfen 20 ml Nr. 1
    • Morphin. hydrochloric. sol. 0,1 g 10 g
  • Die Menge des verschriebenen Betäubungsmittels (3) in Gramm oder Millilitern, Stückzahl der abgeteilten Form. Damit ist die Angabe N1, N2, N3 nicht zulässig, auch wenn von dem betreffenden BtM nur eine einzige Packungsgröße im Handel ist.
  • Bei Überschreitung der Verschreibungshöchstmenge oder der Zahl der Betäubungsmittel der Buchstabe »A«, evtl. das Wort »Praxisbedarf«, im Falle einer Notfallverschreibung der Buchstabe »N«, bei Betäubungsmitteln für Schiffe der Buchstabe »K«, bei Substitutionsverordnungen der Buchstabe »S«, bei Take-home-Verordnungen von Patienten im Sichtbezug für die Mengen, die benötigt werden, um die Wochenendtage Samstag und Sonntag und dem Wochenende vorangehende oder folgende Feiertage, auch einschließlich eines dazwischen liegenden Werktages, höchstens jedoch mit der für fünf Tage benötigten Menge, zu überbrücken zusätzlich zu dem Buchstaben »S« der Buchstabe »Z«, in begründeten Ausnahmefällen bei Take-home-Verordnungen für maximal 30 Tage zusätzlich zu dem Buchstaben »S« der Buchstabe »T«. (5)
  • Die Gebrauchsanweisung mit Einzel- und Tagesgaben (4) oder, falls sie dem Patienten schriftlich übergeben worden ist, ein Hinweis auf diese schriftliche Gebrauchsanweisung.

Beispiel einer ausreichenden Dosieranleitung: "3-mal täglich 10 Tropfen einnehmen".
Nicht ausreichend: "bei Bedarf 1 Tablette". Hier muss die Tageshöchstdosis ergänzt werden.

  • Die eigenhändige Unterschrift des verschreibenden Arztes, Zahnarztes oder Tierarztes, im Vertretungsfall zusätzlich der Vermerk »i.V.« Sind in einer Praxis Ärzte als Angestellte tätig, so hat jeder seine eigenen BtM-Rezepte; die Vertretungsregelung greift dann nicht!)


Nach § 8 Abs. 1 BtMV dürfen auf einem BtM-Rezept neben BtM auch andere Arzneimittel oder Hilfsmittel, nicht jedoch diese allein verschrieben werden.

Als Fax übermittelte Verschreibungen sind keine gültigen Verordnungen, ihre Belieferung durch die Apotheke ist unzulässig.

Alle Angaben bis auf die eigenhändige Unterschrift und der Vermerk »i.V.« können auch durch eine andere Person als dem verordnenden Arzt oder maschinell gemacht werden.

Auf BtM-Verschreibungen, die nicht ordnungsgemäß ausgestellt worden sind, kann der Apotheker nach Rücksprache mit dem Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt Korrekturen vornehmen (cave: Dies gilt nach BtMVV. Doch bezüglich der Erstattung des Medikamentes durch die GKV können der Korrektur durch den Apotheker weitere Regelungen seitens der GKV entgegenstehen). Ist eine Korrektur nicht möglich, weil beispielsweise der verschreibende Arzt nicht erreichbar ist, dürfen das verschriebene Betäubungsmittel oder Teilmengen davon abgegeben werden, wenn ein dringender Fall vorliegt. Der Arzt ist nachträglich zu benachrichtigen. Korrekturen sind vom Apotheker auf Teil I und II, durch den Arzt auf Teil III zu vermerken. Das Ausstellungsdatum darf nicht verändert werden.

 

 

Quelle: H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016

© Govi
Verschreibungshöchstmengen
© ABDA

Für einen Patienten darf der Arzt innerhalb von 30 Tagen bis zu zwei der folgenden Betäubungsmittel verschreiben, unter Einhaltung der angegebenen Verschreibungshöchstmengen (BtMVV Stand Mai 2017):

1.

Amfetamin

600 mg,

2.

Buprenorphin

800 mg,

2a.

Cannabis in Form von getrockneten Blüten

 100 000 mg,

2b.

Cannabisextrakt (bezogen auf den ∆9-Tetrahydrocannabinol-Gehalt)

1 000 mg,

3.

Codein als Substitutionsmittel

40 000 mg,

3a.

Dexamfetamin

600 mg,

3b.

Diamorphin

30 000 mg,

4.

Dihydrocodein als Substitutionsmittel

40 000 mg,

5.

Dronabinol

500 mg,

6.

Fenetyllin

2 500 mg,

7.

Fentanyl

500 mg,

7a.

Flunitrazepam

30 mg,

8.

Hydrocodon

1 200 mg,

9.

Hydromorphon

5 000 mg,

10.

(weggefallen)

11.

Levomethadon

1 800 mg,

11a.

Lisdexamfetamindimesilat

2 100 mg,

12.

Methadon

3 600 mg,

13.

Methylphenidat

2 400 mg,

14.

(weggefallen)

 

15.

Morphin

24 000 mg,

16.

Opium, eingestelltes

4 000 mg,

17.

Opiumextrakt

2 000 mg,

18.

Opiumtinktur

40 000 mg,

19.

Oxycodon

15 000 mg,

20.

Pentazocin

15 000 mg,

21.

Pethidin

10 000 mg,

22.

(weggefallen)

 

23.

Piritramid

6 000 mg,

23a.

Tapentadol

18 000 mg,

24.

Tilidin

18 000 mg


Wenn aus der Gebrauchsanweisung hervorgeht, dass die vorgeschriebene Stückzahl des Betäubungsmittels für einen längeren Zeitraum als 30 Tage ausreicht, so ist diese Art der Verordnung zulässig.

Die Verordnung angebrochener Packungen, d.h. der BtM nach Stückzahl, ist ebenfalls zulässig. In begründeten Einzelfällen, insbesondere für Patienten, die in Dauerbehandlung sind, darf der Arzt von – der Zahl der verschriebenen Betäubungsmittel und/oder – den festgesetzten Verschreibungshöchstmengen abweichen. In diesen Fällen ist die BtM-Verschreibung mit einem »A« zu kennzeichnen.

Werden auf einer BtM-Verschreibung zwei Zubereitungen ein und desselben Betäubungsmittels, z.B. MST retard 10 mg und 30 mg, verordnet, so zählen diese als ein Betäubungsmittel, wenn die Verschreibungshöchstmenge insgesamt nicht überschritten wird. Für Anforderungen für Stationen eines Krankenhauses (spezielles Formblatt) gibt es keine Verschreibungshöchstmengen. Für Tier- und Zahnärzte gelten besondere Regelungen. 


Quelle: H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016

Abgabe des Betäubungsmittels
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  • Bei der Abgabe des Betäubungsmittels hat der Apotheker auf Teil I des Formblattes folgende Angaben zu machen: 1. Name oder Firma und Anschrift der Apotheke, 2. Abgabedatum und Namenszeichen des Abgebenden. Es ist die komplette Anschrift der Apotheke anzubringen. Alternativ kann auf die Rückseite des Rezeptes der Apothekenstempel gesetzt werden. Die IK-Nummer ist nicht ausreichend, da für den Prüfer der Unterlagen nicht sofort die Adresse ersichtlich wird.
  • Als Namenszeichen des Abgebenden ist die Bediener-Nummer bzw. ein per EDV aufgetragenes Namenszeichen nicht ausreichend, da die Bediener-Nummer auch von anderen Mitarbeitern genutzt werden könnte. Fallen Rezeptannahme und Arzneimittelabgabe zeitlich nicht zusammen, sind in jedem Fall ein zweites Namenszeichen und das entsprechende Abgabedatum anzubringen.
  • Kann ein BtM-Rezept nicht vollständig beliefert werden, sondern nur eine Teilmenge des verordneten BtM, so ist die Restmenge innerhalb sieben Tagen nachzuliefern.
  • Für jede Einzelabgabe ist auf der Rückseite des Teil I des BtM-Rezepts ein Abgabevermerk anzubringen. Der Verbleibsnachweis wird an den jeweiligen Abgabetagen auf der Karteikarte geführt.
  • Es ist nicht zulässig, bei der erstmaligen Abgabe zur Dokumentation eine Kopie des Teil II anzufertigen und dem Patienten das Original des BtM-Rezepts bis zur zweiten Abgabe mitzugeben.

    Quelle: H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016
Nachweis des Verbleibs von BtM in der Apotheke
© ABDA
  • Der Verbleib von Betäubungsmitteln in der Apotheke wird klassischerweise anhand chronologischer Aufzeichnungen auf Karteikarten getrennt für jedes BtM, nachgewiesen.
  • Stattdessen kann auch eine elektronische Dokumentation gewählt werden, sofern der Ausdruck der gespeicherten Angaben jederzeit in der Reihenfolge des amtlichen Formblattes gewährleistet ist.
  • Es empfiehlt sich, den Zu- und Abgang der BtM nach Stückzahl, nicht nach Packungszahl zu dokumentieren, um auch den Verbleib von Anbrüchen ordnungsgemäß nachweisen zu können. Bei flüssigen Zubereitungen ist die aus technischen Gründen notwendige Überfüllung nur dann zu berücksichtigen, wenn dadurch der Abgang höher ist als der Zugang. Die daraus entstehende Differenz ist als Zugang »mit Überfüllung« nachzuweisen.
  • Der Abgang ausgenommener Zubereitungen nach Anlage III des BtMG, die Codein, Dihydrocodein oder Flunitrazepam als Fertigarzneimittel enthalten und für Abhängige verschrieben worden sind,muss nicht nachgewiesen werden. Es genügt, wenn die entsprechenden BtM-Rezepte im Original aufbewahrt werden, eine Ablichtung ist nicht ausreichend.
  • Für den Zu- und Abgang von Codein und Dihydrocodein als Substanz muss der Verbleibsnachweis geführt werden.
  • Für Zu- und Abgänge der BtM ist u.a. die vollständige Adresse des verschreibenden Arztes, des Lieferanten oder des Empfängers eines BtM einzutragen. Eine Postfachadresse reicht nicht aus. Um die ständige Wiederholung der Adressen auf der Nachweiskarte zu vermeiden, kann auch ein Schlüssel aus einer Buchstaben- und/oder Zahlenkombination verwandt werden. Damit trotz Verschlüsselung die vollständige Adresse identifiziert werden kann, reicht es aus, wenn die vollständigen Angaben in den amtlichen Unterlagen einmal in Verbindung mit dem Schlüssel eingetragen sind.
  • Nur der Apothekenleiter, in einer Filialapotheke der Filialleiter, hat die Eintragungen am Ende jeden Kalendermonats zu überprüfen und nach Bestandsprüfung überall da mit seinem Namenszeichen und dem Prüfdatum zu bestätigen, wo sich der Bestand geändert hat. Soweit eine EDV-Dokumentation benutzt wird, kann der Prüfnachweis auf den jeweils monatlich zu erstellenden Ausdrucken geführt werden.
  • BtM-Rezepte und Karteikarten sowie Betäubungsmittelbücher müssen, gerechnet ab letztem Ausstellungsdatum, drei Jahre aufbewahrt werden.

    Quelle: H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016
Heimversorgung
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Bei der Übergabe des BtM an das Heim ist es allgemein empfehlenswert, zur eigenen Sicherheit eine Rezeptkopie anzufertigen und sich den Empfang bestätigen zu lassen.

Der Arzt, der ein BtM für einen Bewohner eines Alten- oder Pflegeheims oder eines Hospizes verordnet, kann bestimmen, dass das BtM-Rezept und das BtM dem Patienten nicht ausgehändigt werden. In diesem Fall wird das BtM-Rezept vom Pflegepersonal in der Apotheke eingelöst.  

Bei diesem Verfahren lagert der Arzt das BtM unter seiner Verantwortung in dem Alten- oder Pflegeheim oder Hospiz und beauftragt das Pflegepersonal mit der Verwaltung des BtM. Die Abgabe eines BtM an die Erben eines verstorbenen Heimbewohners ist betäubungsmittelrechtlich nicht möglich. Die nicht mehr benötigten BtM können ohne Dokumentation des Zugangs von der Apotheke ordnungsgemäß vernichtet werden (siehe »Vernichtung von Betäubungsmitteln«).

Quelle: H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016

Rückgabe von BtM (im Rahmen der Heimversorgung)


Rückgabe an den Arzt


Betäubungsmittel, die schon einmal für einen Patienten eines Alten- oder Pflegeheims oder Hospizes verordnet worden sind, darf der Arzt unter seiner Verantwortung, auch als Anbruch und wenn sie nicht mehr benötigt werden, für einen anderen Bewohner der gleichen Einrichtung erneut verschreiben, ohne dass eine Apotheke »zwischengeschaltet« werden muss.

Dies gilt nur für BtM, die nach § 5b Abs. 1 der BtMV ausdrücklich unter Verantwortung des Arztes gelagert werden und für die er persönlich den Nachweis des Verbleibs in einer BtM-Kartei führen muss, etwa weil der Patient dement ist oder ihm aus anderen Gründen der eigenverantwortliche Umgang mit dem BtM nicht mehr zugemutet werden kann.

Alle anderen BtM, die dem Patienten direkt ausgehändigt werden, selbst wenn sie das Heim, wie die übrigen Arzneimittel auch, verwaltet und ihm zuteilt, sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Die erneute Verschreibung wird auf einem BtM-Rezept vorgenommen. Teil I verbleibt bei der Karteikarte des »abgebenden« Patienten: Der Arzt trägt die entsprechende Menge des BtM auf der Karteikarte aus. Teil II verbleibt bei der Karteikarte des »beziehenden« Patienten: Der Arzt trägt die entsprechende Menge auf dessen Karteikarte ein. Teil III verbleibt beim Arzt. Die Übernahme eines solchen BtM in die Praxis des behandelnden Arztes ist nicht zulässig.


Rückgabe an die versorgende Apotheke

Das Betäubungsmittel oder sein Anbruch kann aber auch an die das Alten- oder Pflegeheim oder Hospiz versorgende Apotheke zurückgegeben werden, um es in einem, also auch einem anderen, aber von der gleichen Apotheke versorgten Heim wieder verwenden zu können. Dieses BtM wird in der Apotheke »zwischengelagert« und kann erneut von einem, auch einem anderen Arzt auf einem BtM-Rezept verordnet werden. Dies gilt nur für BtM derjenigen Bewohner, denen der eigenverantwortliche Umgang mit dem BtM aufgrund geistiger Unfähigkeit (§ 5b Abs. 1 BtMV) nicht mehr zugemutet wird und die daher vom Heim verwaltet werden.

Alle anderen BtM, die dem Patienten direkt ausgehändigt, selbst wenn sie das Heim, wie die übrigen Arzneimittel auch, verwaltet und ihm zuteilt, sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Bei der Rückgabe des BtM ist darauf zu achten, dass auch die Gebrauchsinformation zurückgegeben wird, damit sie bei erneuter Verschreibung des BtM zur Verfügung steht. Im Übrigen entscheidet die Apotheke, ob das zurückgegebene BtM wieder verwendet werden kann, denn sie trägt die Verantwortung für seine Qualität.


Dokumentation in der Apotheke

Für die Rückgabe eines BtM durch das Alten- oder Pflegeheim oder Hospiz an die versorgende Apotheke stellt der zuständige Arzt einen formlosen Beleg in Dreifachausfertigung aus. Ein Teil verbleibt bei der Karteikarte des »abgebenden« Patienten: Der Arzt trägt die entsprechende Menge auf der Karteikarte aus. Den zweiten Teil erhält die Apotheke: Sie bewahrt ihn auf und trägt die entsprechende Menge auf einer gesonderten, BtM-bezogenen Karteikarte ein, denn dieses BtM kann nur für die Heimversorgung, nicht aber für die Abgabe im Rahmen des üblichen Apothekenbetriebs verwendet werden. Das zurückgegebene BtM unterliegt nicht, wie die übrigen vom Großhandel bezogenen BtM, dem Erwerbsbelegverfahren nach der BtM-Binnenhandelsverordnung. Es darf daher in der Dokumentation nicht mit den durch das Erwerbsbelegverfahren bezogenen BtM vermischt werden. Der dritte Teil verbleibt zum Nachweis beim Arzt.

(nach H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016)

Praxisbedarf
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Für seinen Praxisbedarf darf der Arzt die in der Tabelle „Verschreibungshöchstmengen“ angegebenen Betäubungsmittel sowie Alfentanil, Cocain nur zu Eingriffen am Kopf als Lösung bis zu einem Gehalt von 20 Prozent oder als Salbe bis zu einem Gehalt von 2 Prozent, Remifentanil und Sufentanil bis zur Menge seines durchschnittlichen Zweiwochenbedarfs, mindestens jedoch die kleinste Packungseinheit, verschreiben. Der Monatsbedarf jedes BtM soll nicht überschritten werden. Sollen Zubereitungen der Substitutionsmittel als Praxisbedarf, also nicht für einen Patienten bestimmt, von der Apotheke an einen Arzt zur Verabreichung in der Praxis bezogen werden, darf der Arzt nicht mehr als seinen Zweiwochenbedarf verschreiben. Die Zubereitung muss in diesem Fall nicht für parenterale Zwecke ungeeignet sein. Für Zahn- und Tierärzte gelten besondere Regelungen.

(nach H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016)

"Aut-idem" bei BtM

Normalfall: Keine Besonderheiten bei BtM
Nach Auffassung der Bundesopiumstelle bestehen gegen eine Aut-idem-Verordnung der Betäubungsmittel keine Bedenken. Auf diese Weise gibt der Arzt zu erkennen, dass das verschriebene BtM durch ein nach Anwendungsgebiet, Art und Menge der wirksamen Bestandteile identisches sowie in der Darreichungsform und pharmazeutischen Qualität vergleichbares BtM ersetzt werden darf.
Es ist ausreichend, wenn die Apotheke das tatsächlich abgegebene BtM auf den Teilen 1 und 2 des BtM-Rezeptes vermerkt. Wird dabei die Verschreibungshöchstmenge überschritten, muss der Buchstabe »A« auf den Teilen 1 und 2 angebracht werden.
Es empfiehlt sich, mit dem Arzt Rücksprache zu nehmen. Der Verbleibsnachweis ist für das BtM zu führen, das tatsächlich abgegeben worden ist.

Besonderheiten: BtM-TTS
Entgegen früherer Aussagen hat die Bundesopiumstelle nunmehr mitgeteilt, dass nur solche wirkstoffgleichen, BtM-haltigen Schmerzpflaster als bioäquivalent und daher aut-idem-fähig einzustufen sind, die neben der gleichen Freisetzungsrate (Wirkstärke) auch den gleichen Gesamtgehalt an Wirkstoff (deklarierter Wirkstoffgehalt, Beladungsmenge) haben.
Von der Verpflichtung zur Abgabe eines anderen, rabattbegünstigten BtM kann auch abgesehen werden, wenn im Einzelfall pharmazeutische Bedenken entgegenstehen, z.B. Unverträglichkeit des Patienten auf die Hilfsstoffe, ungenügende Klebeeigenschaften (Schwitzen) oder die nicht zulässige Teilung des Pflasters. In diesen Fällen muss die Nicht-Abgabe auf Teil 2 des BtM-Rezeptes begründet werden (Ausnahme: Fentadolon).

(nach H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016)

Die Substitution Abhängiger
Quelle: Fotolia


Die Substitution Abhängiger ist für die folgenden Indikationen zugelassen:


1. Behandlung der Opiatabhängigkeit, um die Abstinenz BtM wiederherzustellen den Gesundheitszustand zu bessern oder zu stabilisieren oder
2. um eine neben der Opiatabhängigkeit bestehende schwere Erkrankung behandeln zu können oder
3. um die Risiken einer Opiatabhängigkeit während einer Schwangerschaft oder nach der Entbindung zu verringern.

Bei nicht zulässiger Verordnung der Substitutionsmittel empfiehlt sich jedoch, den Arzt darauf aufmerksam zu machen. Zudem ist in §5 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung angegeben, welcher Voraussetzungen es bedarf, wenn ein Arzt einem Abhängigen Substitutionsmittel verordnen will. In der Regel muss der Arzt Mindestanforderungen an eine suchtmedizinische Qualifikation erfüllen, deren Bedingungen von der jeweiligen Ärztekammer festgelegt werden. Hat er diese Qualifikation nicht, darf der Arzt höchstens drei Patienten gleichzeitig je ein Substitutionsmittel verschreiben. Er hat dann allerdings den Abhängigen einem Konsiliarius vorzustellen, der prüft, ob die Bedingungen nach § 5, Abs. 2 der BtMV erfüllt sind.

Bei Krankheit oder Urlaub des Substitutionsarztes ist es bisweilen nicht möglich, einen Vertreter zu finden, der die suchtmedizinische Qualifikation für die Substitution Abhängiger hat. In diesem Fall darf sich der Substitutionsarzt ausnahmsweise für einen begrenzten Zeitraum durch einen Arzt ohne diese besondere Qualifikation vertreten lassen. Je Vertretungsfall darf dies maximal vier Wochen und insgesamt höchstens zwölf Wochen im Jahr der Fall sein.

Zur Behandlung der o.g. drei Sachverhalte darf der Arzt derzeit Levomethadon, Methadon, Buprenorphin und in auf andere Weise nicht behandelbaren, begründeten Ausnahmefällen auch Codein oder Dihydrocodein, diese beiden Stoffe jedoch nicht nur für Opiat- sondern auch für Alkoholabhängiger (neu!) verordnen. Als begründet gilt dabei, dass Methadon oder ein anderes Substitutionsmittel nicht vertragen werden, wenn die Entzugsbehandlung besser verläuft oder der Abhängige nach mehrjähriger Substitution mit Codein oder Dihydrocodein für die Umstellung auf Methadon oder ein anderes Substitutionsmittel nicht motiviert werden kann.

Auf allen BtM-Verschreibungen, die zur Substitution Abhängiger ausgestellt werden, ist ein »S« anzubringen. Werden Zahl der BtM oder die Verschreibungshöchstmengen überschritten, muss zusätzlich ein »A« vorhanden sein.

Verordnungen über Substitutionsmittel auf Normalrezept mit der Kennzeichnung »N« (Notfallverschreibung) dürfen von der Apotheke nicht beliefert werden.

Für die Abgabe von Diamorphin (Heroin) gelten gesonderte Regelungen.


Direkte Verabreichung des Substitutionsmittels

Wird das Substitutionsmittel dem Abhängigen in der Arztpraxis zum unmittelbaren Verbrauch verabreicht, ist eine für parenterale Zwecke ungeeignete Darreichungsform nicht vorgeschrieben.  Das Rezept kann vom Arzt selbst oder dem Personal der Praxis in die Apotheke gebracht werden. Diese liefert dann direkt in die Praxis. Ausnahme: Es liegt eine »Take-home-Verordnung« vor.

Statt der Verabreichung zum unmittelbaren Verbrauch in der Praxis kann diese Aufgabe nach entsprechender Einweisung durch den behandelnden Arzt auch anderen medizinischen, pharmazeutischen oder staatlich anerkannten Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe, damit also auch der Apotheke, übertragen werden. Gleiches gilt auch für vom Arzt angewiesenes Personal in Alten- und Pflegeheimen: Normale Zubereitung des Substitutionsmittels, auch in für parenterale Zwecke geeigneter Form zulässig; Vorlage des BtM-Rezepts durch Arzt, Praxis- oder Pflegepersonal in der Apotheke oder durch Patienten selbst (dem Abhängigen darf das BtM-Rezept ausgehändigt werden, sofern der Arzt dies als vertretbar erachtet); Verabreichung durch den Arzt oder durch eingewiesenes medizinisches oder pharmazeutisches Personal. Steht dieses nicht zur Verfügung, darf das Substitutionsmittel nur in abgeteilter Form, wie bei »Take-home-Bedarf« beschrieben, geliefert und verabreicht werden. Erzieher in Erziehungseinrichtungen sind nicht berechtigt, Substitutionsmittel an Abhängige in den Einrichtungen zu verabreichen. Es gibt keine Verpflichtung der Apotheke, die Verabreichung zu übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung muss zwingend mit dem Arzt getroffen werden und zwar in schriftlicher oder elektronischer Form und muss mindestens folgende Aspekte regeln: Namentliche Benennung mindestens einer für den Sichtbezug verantwortlichen Person in der Apotheke; Regelungen zur fachlichen Einweisung des pharmazeutisches Personals; Regelungen zur Kontrolle des Sichtbezugs durch den Arzt. Es empfiehlt sich festzustellen, ob die Versorgung Abhängiger durch die Betriebshaftpflicht abgedeckt ist. Weiter wird empfohlen sich von den Sichtbezugspatienten eine Einwilligungserklärung unterschreiben zu lassen, mit der der Apotheker von seiner Schweigepflicht entbunden wird, um dem Arzt Auffälligkeiten berichten zu können.

Bei der Verabreichung eines Substitutionsmittels an einen Abhängigen in der Apotheke ist zu beachten:

1. Das verordnete Substitutionsmittel ist getrennt von den anderen BtM individuell für jeden Abhängigen bereitzustellen.
2. Das Substitutionsmittel muss in jedem Fall vor den Augen des verantwortlichen pharmazeutischen Personals eingenommen und auch hinuntergeschluckt werden, vorzugsweise am Beratungsplatz.
3. Das Substitutionsmittel darf dem Abhängigen für den nächsten Tag, z.B. Sonn- oder Feiertag oder über das Wochenende, nicht mitgegeben werden. Dies gilt auch für den Arzt.
4. Der Abhängige soll nicht feststellen können, wo das Substitutionsmittel in der Apotheke lagert.
5. Das Substitutionsmittel sollte nur während der Öffnungszeiten der Apotheke verabreicht werden, damit ein zweiter Mitarbeiter anwesend ist.
6. Über die Nachweisführung siehe »Nachweis des Verbleibs«.

Werden Codein oder Dihydrocodein als Substitutionsmittel der zweiten Wahl angewandt, muss für den Abhängigen eine BtM-Verschreibung ausgestellt werden. Für diesen Personenkreis ist dies auch vorgeschrieben, wenn diese beiden Stoffe als Fertigarzneimittel zur Anwendung als Antitussivum oder Analgetikum bestimmt sind.

 

Der Arzt darf einem Abhängigen ein Substitutionsmittel auch in einer bis zu zwei aufeinanderfolgenden Tagen benötigten Menge oder in der Menge verschreiben, die notwendig ist, um einen Samstag und Sonntag und dem Wochenende vorangehende oder folgende Feiertage einschließlich eines dazwischenliegenden Werktages zu überbrücken – maximal für fünf Tage verschreiben. Damit gestattet er ihm, sofern der Verlauf der Behandlung es zulässt, die eigenverantwortliche Einnahme, dies jedoch innerhalb einer Woche nur einmal. Diese Verschreibung ist außer mit dem Buchstaben »S« zusätzlich mit dem Buchstaben »Z« zu versehen. Hier muss die Reihenfolge der Buchstaben eingehalten werden, also das »Z« nach dem »S«! Außerdem ist die Reichdauer in Tagen angegeben.


Take-home-Bedarf


Der Arzt kann den »Take-home-Bedarf« der Substitutionsmittel Buprenorphin, Levomethadon und Methadon für den Bedarf bis zu sieben Tagen einzeldosiert und in kindergesicherter Verpackung verordnen sowie dem Patienten das BtM-Rezept aushändigen lassen. Auf der Verordnung muss die Dauer in Tagen angegeben werden, bis wie lange das Substitutionsmittel reichen soll.

In begründeten Ausnahmefällen kann bei stabilen Take-home-Patienten die benötigte Menge für maximal 30 Tage verschrieben werden. Diese Verordnungen sind zusätzlich zu dem Buchstaben »S« mit dem Buchstaben »T« zu versehen. Auch hier ist die Reihenfolge der Buchstaben einzuhalten, also »T« nach »S«. Der Einzelfall kann durch einen medizinischen oder einen anderen Sachverhalt wie z.B. die Erwerbstätigkeit begründet sein.
Die Verordnung für zwei Tage soll die Versorgung am Wochenende oder an Feiertagen erleichtern. Das Verfahren sollte auch der Überlassung eines Substitutionsmittels zum eigenverantwortlichen Gebrauch für sieben Tage vorangehen, um festzustellen, ob der Abhängige stabilisiert ist und der Missbrauch von BtM ausgeschlossen ist.

 

Der Arzt kann auch auf Take-Home-Verordnungen die Abgabe von Teilmengen in der Apotheke festlegen, d.h. dass der Patient zu festgelegten Zeitpunkten Teilmengen seines Substitutionsmittels erhalten soll. Außerdem kann er auch festlegen, dass Teilmengen unter Sichtbezug einzunehmen sind oder an die Arztpraxis geliefert werden sollen. Die Abgabe von Teilmengen muss in der BTM-Kartei dokumentiert werden.

Das Substitutionsmittel darf von der Apotheke nur in einer für parenterale Zwecke nicht geeigneten Form mitgegeben werden. (Zusatz von Fruchtsaft oder 1 Prozent Carmellose-Na 400 oder Hydroxyethylcellulose bzw. Himbeersirup oder Lösung in 70 Prozent Sorbit-Lösung, siehe auch NRF 29.1., 29.2. und Stammlösung S. 20). Der substituierte Patient muss den Arzt mindestens einmal wöchentlich aufsuchen.

Vergewissert sich der Arzt, dass das Substitutionsmittel bestimmungsgemäß, also nicht parenteral, durch den Anwender gebraucht wird, kann auf den Zusatzstoff zur Erschwerung parenteraler Anwendung verzichtet werden. Die Verschreibung eines solchen Zusatzstoffes ist nach Auskunft der Bundesopiumstelle zwar sinnvoll, aber nicht zwingend.

Auch »Codein« oder »Dihydrocodein« als BtM der zweiten Wahl können als »Take-home-Bedarf« verordnet werden. Jedoch: Nach Verabreichung jeweils einer Dosis zum unmittelbaren Verbrauch kann der Arzt die für einen Tag zusätzlich benötigte Menge verschreiben; sie wird dem Abhängigen in abgeteilten Einzeldosen und in kindergesicherter Verpackung ausgehändigt und die eigenverantwortliche Einnahme gestattet. Codein und Dihydrocodein können aber auch als Take-home-Verordnung für sieben Tage verschrieben werden. Dies geschieht in der gleichen Weise, wie es für die anderen Substitutionsmittel vorgeschrieben ist.  

Wird ein normales Rezept über Codein oder Dihydrocodein vorgelegt, so ist der Apotheker nicht verpflichtet zu entscheiden, ob der Patient abhängig ist oder nicht. Dies ist allein Sache des Arztes. Es empfiehlt sich jedoch, den Arzt auf eine evtl. Abhängigkeit des Patienten hinzuweisen, wenn man einen Verdacht hat. In diesem Falle sollte man sich über die Benachrichtigung eine Notiz machen. Nur wenn man sicher von der Abhängigkeit des Patienten weiß, ist die Abgabe wegen Missbrauchsgefahr zu verweigern.

(nach H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016)

Rettungsdienst und Katastrophenfälle
Quelle: Fotolia

Betäubungsmittel für den Rettungsdienst und bei Großschadensfällen werden auf dem »BtM-Anforderungsschein für Stationsbedarf« verschrieben. Sie dürfen nur von dem Arzt, der ein Krankenhaus oder eine Teileinheit dieses Hauses leitet oder in Abwesenheit des Leiters Aufsicht führt, für den Rettungsdienst oder im Großschadensfall vom zuständigen leitenden Notarzt verordnet werden. Der verschreibende Arzt muss beauftragt sein. Es gibt keine Verschreibungshöchstmengen.

Außer den BtM, wie unter »Arzt« angegeben, sind zulässig Alfentanil, Cocain nur zu Eingriffen am Kopf bis zu 20 Prozent als Lösung oder 2 Prozent als Salbe, Remifentanil und Sufentanil. Sollten die Anforderungsscheine bei einem Großschadensfall nicht verfügbar sein, kann die Regelung analog der Notfallverordnung getroffen werden.

(nach H. Gebler/A. Schenk: Betäubungsmittel in der Apotheke, 9. Aufl. 2016)

zuletzt aktualisiert:
Oktober 2017

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