Praktisches Jahr

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Nach acht Semestern Universität und erfolgreich absolviertem 2. Staatsexamen schließt sich das Praktische Jahr an das Studium an. Während des Praktikums ist man Auszubildender, in der Regel jedoch nicht mehr Student. Ob und wann man allerdings exmatrikuliert wird hängt von der jeweiligen Universität ab und ob man sich für das Pharmaziediplom entscheidet.

 

Bestimmungen

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Das Praktische Jahr gliedert sich in 2 x 6 Monate. Mindestens die Hälfte dieser Zeit muss in einer öffentlichen Apotheke in Deutschland abgeleistet werden; die verbleibenden 6 Monate können auch in einer Krankenhausapotheke, bei einem pharmazeutischen Unternehmen, an der Uni oder in anderen Einrichtungen absolviert werden. Über die Anerkennung eines z.B. im Ausland absolvierten Praktikums entscheidet das zuständige Landesprüfungsamt, in Zweifelsfällen sollte man sich schon einige Zeit vor Beginn bei der Behörde darüber erkundigen und sich das Ergebnis schriftlich mitteilen lassen.

Während diesen Jahres, in dem der Praktikant ganztägig unter Aufsicht eines Apothekers zu arbeiten hat, sollen die im Studium vermittelten Kenntnisse vertieft und sämtliche Fertigkeiten, die für die praktische Arbeit des Apothekers notwendig sind, erlernt werden.

Geregelt wird die Praktische Ausbildung durch §4 der AAppO.

Mögliche Ausbildungsstätten

Offizin

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Wie bereits erwähnt, müssen mindestens sechs Monate des Praktischen Jahres in einer Öffentlichen Apotheke abgeleistet werden. In einer guten Ausbildungsapotheke erwartet den Praktikanten ein breites Betätigungsfeld, das sich von handwerklichen Tätigkeiten in der Rezeptur und Defektur über organisatorische Belange der Warenwirtschaft bis hin zum aktiven Handverkauf erstreckt.

Hier muss der junge Pharmazeut in der direkten Begegnung mit dem Patienten zum ersten Mal sein wissenschaftliches Fachwissen unter realen Praxisbedingungen zur Anwendung bringen. Dies stellt, gerade zu Beginn, eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar!

Bei rezeptfreien Arzneimitteln aus dem OTC-Segment darf man nach eigenem Ermessen auswählen und beraten. Vor der Abgabe von rezeptpflichtigen Arzneimitteln müssen diese jedoch einem approbierten Apotheker vorgezeigt werden.

Krankenhausapotheke

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Eine Krankenhausapotheke beliefert die Stationen, Ambulanzen sowie die Mitarbeiter der betreffenden Klinik. Der Pharmaziepraktikant kann hier in vielerlei Arbeitsfelder eingebunden werden: Arzneimittelherstellung, Arzneimittelinformation, Logistik  - die Krankenhauspharmazie ist in jedem Fall ein spannender, lebhafter Tätigkeitsbereich!

Industrie

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Etwas ruhiger als in den bisher genannten Einrichtungen geht es (zumindest in der Regel!) in der pharmazeutischen Industrie zu. Hier kann man sich während seiner Ausbildungszeit schön in einen Themenbereich vertiefen, beispielsweise in Arzneimittelherstellung, Arzneimittelprüfung, Regulatory Affairs oder auch Arzneimittelmarketing. Die hierbei erworbenen Erfahrungen können für eine spätere Karriere in der Industrie von Nutzen sein.

 

Universität

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Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, 6 Monate über das Studium hinaus in einem der 5 pharmazeutischen Fachbereiche an der Universität zu verbleiben und dort als Pharmaziepraktikant tätig zu sein. Darüber hinaus ist es auch möglich, sich an einem nicht-pharmazeutischen Institut zu bewerben (z. B. Gerichtspathologie), solange die Ausbildung unter Aufsicht eines Apothekers erfolgt. Es gilt also, beispielsweise einen Professor des Pharmazeutischen Instituts zu finden, der bereit ist, eine externe Praktikumstätigkeit in fachlicher Hinsicht zu betreuen. Leider ist die Bezahlung für eine universitäre Tätigkeit nicht immer garantiert; dies sollte unbedingt im Vorfeld abgeklärt werden!

Andere Einrichtungen

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Die Approbationsordnung für Apotheker listet neben den bereits genannten Möglichkeiten explizit folgende weitere Einrichtungen auf, die für die Ableistung des Praktischen Jahres in Frage kommen:

  • Bundeswehrapotheken
  • Geeignete wissenschaftliche Institutionen einschließlich solcher der Bundeswehr
  • Arzneimitteluntersuchungsstellen einschließlich solcher der Bundeswehr

 


Bei diesen Varianten gilt es im Vorfeld zu klären, ob die Ausbildung unter Aufsicht eines approbierten Apothekers erfolgt und ob das Landesprüfungsamt die betreffende Tätigkeit anerkennt.

Diplom-Pharmazie

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Das Diplomverfahren für Pharmazeuten ist eine zusätzliche, über die Festlegungen der Approbationsordnung für Apotheker hinausgehende akademische Ausbildung, die von manchen Unis, aber auch seitens der Industrie, angeboten wird.

Es stellt gewissermaßen eine ‚kleine Doktorarbeit’ dar; man erhält ein Thema zugewiesen (bzw. kann sich dieses im Idealfall selbst aussuchen) und forscht 6 Monate lang an diesem, in der Regel hauptsächlich im Labor. Während dieser Zeit fertigt man eine Diplomarbeit an, welche eine detaillierte Beschreibung des Forschungsthemas sowie die Darstellung und Interpretation der gewonnen Ergebnisse enthält.

Der akademische Grad „Diplom-Pharmazeut“ wird nach Bestehen des Zweiten Abschnitts der Pharmazeutischen Prüfung sowie Annahme der Diplomarbeit und erfolgreicher (mündlicher) Verteidigung von selbiger verliehen.

Auswahl der Ausbildungsstätte

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Die Arbeitsgruppe „Qualitätssicherung der Ausbildung im Praktischen Jahr“ der Bundesapothekerkammer hat eine Checkliste erarbeitet, die nach möglichst objektiven Kriterien die Auswahl einer geeigneten Ausbildungsapotheke erleichtern soll. Diese objektiven Kriterien können natürlich nie das subjektive Wohlfühlen unter den zukünftigen Kollegen ersetzen. Es kann sinnvoll sein, einen Probetag zu absolvieren, um die Apotheke näher kennen zu lernen.

Der BPhD hat einen PJ-Ratgeber erarbeitet, der auch Informationen für ein mögliches Ableisten eines Teils des PJs in Industrie oder im Ausland enthält. Dieser stellt einen kurzen Leitfaden dar, wie man bei entsprechendem Wunsch am besten vorgeht. Natürlich kann er keine vollständige to-do-list mit Kontaktadressen sein, sondern nur Hinweise geben, die den Einstieg in die Thematik erleichtern. Für Fragen, die durch diese Unterlagen nicht geklärt werden können, steht Euch der PJ-Beauftragte des BPhD gerne zur Verfügung.

Bewerbung und Arbeitsvertrag
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Allgemein gilt, dass für das PJ in der öffentlichen Apotheke häufig (aber bei weitem nicht immer!) ein persönliches Vorstellungsgespräch ausreichend ist, während z.B. in der Pharmazeutischen Industrie eine schriftliche Bewerbung üblich ist. Am besten erkundigt man sich im Vorfeld; entweder direkt bei der jeweiligen Firma oder aber bei Bekannten, die dort bereits gearbeitet haben.

Hat man eine Ausbildungsstätte gefunden, so steht, wenn die Besichtigung der Arbeitsstätte und das Vorstellungsgespräch zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen sind, als nächstes das Unterschreiben des Arbeitsvertrags an.

Mustervertrag
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1. Mustervertrag (Word) (frei veränderbar)
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zum PJ in der APOTHEKE entworfen, der sämtliche relevanten Punkte beinhaltet und eine ausgewogene Grundlage für das Ausbildungsverhältnis darstellt.

Leider ist es nicht so einfach, einen Standardvertrag für die Tätigkeit außerhalb der Apotheke anzubieten, da sich z. B. Verträge in der Industrie häufig auch an den Tarifverträgen der chemischen Industrie orientieren. Wichtig ist, dass der Vertrag alle Bedingungen der AAppO erfüllt.

Gehalt / Arbeitszeiten / Urlaubsanspruch
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Gehalt und Arbeitszeiten in der Apotheke sind durch den Tarifvertrag für Apotheker, geschlossen zwischen Adexa, der Gewerkschaft für Apothekenangestellte, und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken, ADA, geregelt. Momentan beträgt die für eine Anstellung in Vollzeit notwendige Arbeitszeit 40,0 Stunden je Woche, bei einem Urlaubsanspruch von 33 Werktagen, jeweils bezogen auf 6 Werktage je Woche. Das Gehalt für Pharmaziepraktikanten beträgt momentan lt. Tarifvertrag 902,00 € (gültig ab 1.6.2017).  In der Region „Nordrhein“ gibt es einen eigenen Tarifvertrag. Das Gehalt für Pharmaziepraktikanten beträgt in der Region "Nordrhein" momentan lt. Tarifvertrag 880,00 € (gültig ab 1.1.2016)

Soweit die Vorgaben des Tarifvertrags, der aber nur dann als Mindeststandard verpflichtend ist, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Praktikant Mitglieder der verhandelnden Organisationen sind. Dies trifft zwar auf viele Apothekenleiter zu, nicht aber auf alle. Ob Sie bereits während des PJ Mitglied bei der Adexa werden wollt, bleibt Ihnen überlassen.

In jedem Fall kann und sollte der Tarifvertrag bezüglich der Größenordnung des Gehaltes als Richtlinie gelten, wobei bessere Regelungen immer möglich sind. Gerade bei Praktika in der pharmazeutischen Industrie sind durchaus höhere Löhne üblich. Nähere Informationen zum Tarifvertrag erhalten Sie direkt bei der zuständigen Gewerkschaft Adexa.

Völlig unabhängig von der Geltung des Tarifvertrages ist der Praktikant für die Dauer des praxisbegleitenden Unterrichts, der verpflichtend zu besuchen ist und von den Apothekerkammern veranstaltet wird, unter Gehaltsfortzahlung freizustellen. Dabei spielt es keine Rolle, wo der Praktikant tätig ist.

Inhalte der Ausbildung / Begleitender Unterricht
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Da das Praktische Jahr Teil der Ausbildung ist, sind auch die Ausbildungsinhalte durch die Approbationsordnung geregelt, und zwar in §4. Weiterführende Informationen finden Sie in den Leitlinien der Bundesapothekerkammer sowie in dem vom Govi-Verlag als ständig aktualisierte Loseblattsammlung herausgegebenen „Arbeitsbogen für die praktische Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum in Apotheken“.

Der theoretische Teil der Ausbildung wird im so genannten Kammerunterricht vermittelt. Dessen Durchführung obliegt den jeweiligen Landesapothekerkammern, die Dozenten sind in der Regel qualifizierte Fachapotheker, Ärzte, Juristen sowie Betriebswirte und Mitarbeiter der Krankenkassen. Der Unterricht gliedert sich in 3 thematische Teile:

  • Pharmazeutische Praxis (70-90 Unterrichtsstunden)
  • Spezielle Rechtsgebiete für Apotheker (30 Unterrichtsstunden)
  • Betriebswirtschaft für Apotheker (20 Unterrichtsstunden)

In der Regel wird der Kammerunterricht in 2 Modulen à 2 Wochen angeboten, die alle 6 Monate stattfinden. Ausnahme ist hier Bayern, wo beide Module an einem Stück besucht werden können (in der Kombination München / Regensburg oder Regensburg / München). Nähere Informationen bietet die Seite der Landesapothekerkammer Bayern.

Versicherungen
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Ein wichtiger Punkt ist die Versicherungspflicht für Pharmaziepraktikanten. War man als Student in der Regel davon befreit, so muss man für das PJ selbst eine Krankenversicherung abschließen. Die Anmeldung übernimmt hierbei der Arbeitgeber, genauso wie für Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung. Die Wahl der Krankenkasse trifft natürlich der Praktikant selbst.

Hinsichtlich der Rentenversicherung ergeben sich Besonderheiten. Apotheker sind üblicherweise nicht Mitglied der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, sondern Mitglied eines Versorgungswerks für Apotheker. Bezüglich Mitgliedschaft in Apothekerkammer und Versorgungswerk existieren je nach Kammergebiet unterschiedliche Regelungen. Teilweise ist die Mitgliedschaft verpflichtend, manchmal optional und mitunter auch überhaupt nicht möglich. Genauere Informationen enthält oben genannter PJ-Ratgeber des BPhD. Details können Sie auch von Ihrem Apotheker und der zuständigen Kammer bzw. vom jeweiligen Versorgungswerk erfahren. Eine Übersicht der in der Arbeitsgemeinschaft berufsständiger Versorgungseinrichtungen organisierten Apotheker-Versorgungswerke finden Sie hier.

Eine Übersicht zur Versicherungslage des Pharmaziepraktikanten allgemein liefert ein Merkblatt der Bayerischen Landesapothekerkammer.

Ende des Praktikums

An das Praktische Jahr schließt sich das 3. Staatsexamen an, in dem die erworbenen Kenntnisse noch einmal geprüft werden. Für die Zulassung sind neben den Bescheinigungen über die Teilnahme am Unterricht auch Bescheinigungen über die Ableistung des PJs nach Vorlage der AAppO nötig. Bei Erfolg kann dann die Approbation beantragt werden, welche die Ausbildung zum Apotheker formal beschließt.

Tipps für das PJ

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  • Der Pharmaziepraktikant bestimmt seine Ausbildungsapotheke! Daher sollten im Vorfeld sämtliche Erwartungen an die Ausbildungszeit klar sein, sowohl seitens des Praktikanten als auch auf Seiten des potentiellen Arbeitgebers. Nur wenn beide Vorstellungen zusammenpassen, ist ein gutes Arbeits- und Lernklima zu erreichen.

  • Es ist unbedingt nötig, feste Ausbildungsvereinbarungen mit dem Chef zu treffen. Das kann zum Beispiel ein wöchentliches Thema sein, das im Besonderen behandelt wird oder ein fester Termin pro Woche, an dem sich der ausbildende Apotheker Zeit nimmt, Fragen zu beantworten. Auch Kritik, wo sie angebracht ist, kann in diesem Rahmen gut vorgebracht werden.
    Bewährt haben sich mancherorts auch wöchentliche Aufgaben, die vom Chef gestellt und kontrolliert werden. Das kann zum Beispiel die Simulation eines Kundengespräches sein, zu dem im Vorfeld zum Krankheitsbild gehörige Themen erarbeitet werden.

  • Es empfehlt sich daher ein Ausbildungsheft zu führen, in dem solche Themen/Vereinbarungen eingetragen und abhakt werden, wenn sie zur Zufriedenheit durchgeführt wurden.
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