Visci herba

Pflanze, Zeichnung*
Pflanze, Zeichnung*
Pflanze, Foto 1*
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Pflanze, Foto 2**
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Pflanze, Foto 3**
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Pflanze, Foto 4***
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Droge, Foto****
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Basisinfos

Droge: Visci herba / Mistelkraut

Pflanze: Viscum album / Weißbeerige Mistel

Familie: Santalaceae / Sandelholzgewächse

Gruppe: Immunstimulanz-Drogen

Herkunft: Europa, Asien

Pflanze

  • Immergrüner Halbschmarotzer; sitzt auf den Ästen von Laubbäumen und entzieht mittels sog. Haustorien Wasser sowie darin gelöste Mineralsalze aus deren Xylem
  • Büschel bis zu einem Meter Durchmesser
  • Lederige Blätter, mehrjährig oder einjährig
  • Früchte sind weiße, einsamige kugelige Scheinbeeren
  • Je Samen bis zu 3–4 grüne Embryonen; sind von einem zähen, schleimig klebrigen Fruchtfleisch umgeben -> Verbreitung der Misteln durch Vögel (Verdauungsverbreitung)

Droge (inkl. Mikroskopie)

Allgemein: Bis zu 4 mm dicke runzelige Zweigstücke von gelblichgrüner Farbe; ungestielte Blätter von gelblich-grüner Farbe und lanzettlicher Form, bis zu max. 6 cm lang und 2 cm breit; gelblich-grüne Blüten; kugelrunde, gelblich-grüne oder blassrote, entfernt an Johannisbeeren erinnernde Früchte von max. 0,8 mm Durchmesser

Mikroskopie: Relativ große, paracytische Spaltöffnungen und zahlreiche Oxalatdrusen mit grauem, scharf begrenztem Hof im Inneren

Inhaltsstoffe
  • Gemisch basischer, niedermolekularer Polypeptide: Viscotoxine A, B, P
  • Gemisch von Lektinen mit dem wirksamkeitsbestimmenden galaktosespezifischen Mistellektin I (Lektine sind Ribosomen-inaktivierende Proteine mit spezifischem Bindungsvermögen für bestimmte Zucker und Zelloberflächen); Mistellektine I-III bestehen aus zwei Peptidketten A und B (B bindet an Galaktose)
  • Saure Polysaccharide → Galactouronane, Arabinogalactan, Rhamnogalacturonane (Viscumsäure)
  • Flavonoide
  • Kaffeesäure-Derivate

Biogenese (der wichtigsten Inhaltsstoffe)

Wirkungen

Indikation: Anwendung zur Palliativtherapie bei Malignomen (Komm. E+)

Wirkmechanismus: Die B-Kette (Haptomer) bindet an ß-D-Galactosereste (ML-I), die A-Kette (Toxomer) setzt Adenin aus den Ribosomen frei und hemmen so die Protein-Biogenese: Die Aktivität von Lymphozyten wirk gesteigert (Lymphokine, Interferone,TNF↑); außerdem: Freisetzung von Endorphinen → Befinden und Lebensqualität der Patienten steigen

Nebenwirkungen: Lokale Entzündungen, Verstärkung von Autoimmunerkrankungen (?)

Besonderheiten

Wichtige Unterarten (in Klammern die jeweiligen Wirtspflanzen):

  • V. album ssp. Platyspermum → Laubholz-Mistel (Apfelbaum, Pappel)
  • V. album ssp. Abietes → Tannen-Mistel (Weißtanne) 
  • V. album ssp. laxum (austriacum) → Kiefern-Mistel (Kiefer, Lärche) 
  • V. album ssp. creticum → kretische Mistel (Brutia-Kiefer)

 

Familienzugehörigkeit von Viscum album:
nach dem sog. Cronquist-System von 1981 wird den Vertretern der Gattung Viscum der Status einer eigenen Familie zugebilligt (-> Viscaceae).

Orientiert man sich an den neueren APG-Systemen, so werden die verschiedenen Viscum-Arten als Angehörige der (erst 1998 geschaffenen) Familie der Santalaceae aufgefasst. Daran orientieren sich meinem Kenntnisstand nach die meisten Botaniker der Gegenwart.

Vor allem im angloamerikanischen Sprachraum werden auch verschiedene Vertreter der Loranthaceae als Misteln (bzw. "mistletoes") bezeichnet; gemessen an der schieren Anzahl von Gattungen / Arten sogar die größte Mistel-Familie. Sowohl die Santalaceae als auch die Loranthaceae gehören zur Ordnung der Santalales.

Quellenangaben, Bilder

* biolib.de

** Dr. M. Werum

*** fotolia.de

**** FS Pharmazie, Marburg

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